Gleitschirmausflug nach Italien

Mein Flugwetterbericht sagte beste Flugbedingungen und gute Frühjahrsthermik voraus und so gabs für mich nur eines: möglichst schnell rauf auf den Berg!

Durch den großen Waldbrand nahe Innsbruck und den daraus resultierenden regen Flugverkehr der Einsatzhelikopter war für uns Paragleiter absolutes Flugverbot in unserem lokalen Fluggebiet über der Nordkette. Daher hieß es ausweichen ins Stubaital. Schnell waren Gleitschirm, Helm und GPS gepackt und los gings.

Schon bei der Auffahrt zum Kreuzjoch konnte ich die vielen, kleinen Quellwolken, die meist gute Indikatoren für Aufwinde sind, ausmachen und fieberte schon dem Gefühl des Schwebens entgegen.

20090414-img_0773_ok

Schon kurz nach dem Start am Kreuzjoch (2100m) konnte ich mich in starker Thermik nach oben arbeiten. Nach wenigen Minuten zeigte das Variometer bereits eine Höhe von über 3000m an und ich startete meinen cross-country-Flug Richtung Stubaier Gletscher.

Meine selbstgestellte Aufgabe heute war es, ein FAI-Dreieck mit Fulpmes, dem Stubaier Gletscher und Sterzing (Südtirol) als Eckpunkte zu fliegen.

Die Bedingungen schienen tatsächlich ausgezeichnet und so, gut eine halbe Stunde nach dem Start, befand ich mich bereits am hintersten Ende des Stubaitales und konnte den Skifahrern und Snowboardern am Gletscher von hoch oben zusehen. Immer noch auf ca. 3000m fliegend suchte ich mir nochmals gute Thermik, drehte auf über 3400m auf und konnte so die eisbedeckten Gipfel der Stubaier Alpen Richtung Italien überqueren.

20090414-img_0799_ok

Knapp unterhalb des Zuckerhütls (mit 3507m die höchste Erhebung in den Stubaier Alpen) gleitete ich über den Übeltalferner ins Ridnauntal nach Südtirol. Das Gebiet dort kannte ich bereits und so war es ein leichtes, vorbei am Hocheck (2887m) und der Wetterspitze (2709m), das Tal hinaus Richtung Sterzing zu fliegen.

Hoch über dem kleinen Ort angekommen bemerkte ich schon den relativ starken Nordwind vom Brennerpass her. Ich versuchte auch noch einige km gegen den Wind Richtung Norden anzukämpfen. Da sich das jedoch als eher aussichtslos herausstellte und ich sowieso schon sehr viel Höhe verloren hatte, beschloss ich keine Experimente mehr zu wagen und nach 2 1/2 Stunden und 50 zurückgelegten Kilometern in Sterzing zu landen.

20090414-img_0819_ok

Doch etwas enttäuscht über die außerplanmäßige Landung in Italien blieb mir dann nichts anderes übrig als meinen Schirm zusammenzupacken und mich auf den Weg Richtung Bahnhof zu machen, um die Heimreise nach Innsbruck mit dem Zug anzutreten.

20090414-img_0821_ok

Zuhause angekommen fiel mir natürlich ein, dass ich ja noch das Auto im Stubaital stehen hatte. Also schnappte ich mir meine Laufschuhe und nutzte die Gelegenheit mir ein bißchen den Frust über meinen nicht geglückten Flug von der Seele zu laufen. Gleichzeitig waren die knapp 20km von Innsbruck nach Fulpmes natürlich auch eine gute Trainingseinheit für den demnächst anstehenden Halbmarathon.

Details zum Flug auf xcontest.org (aufgezeichnet via GPS)

www.rolee.net

Kommentieren